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Prägung

 

Junge Gänse definieren, wie allgemein bekannt, das Wesen, dass sie nach dem Schlupf als erstes erblicken, als grundsätzlich positiv gewertetes und vorteilsversprechendes Konstrukt „Mutter“. Wenn dieser Vorgang als Prägung bezeichnet wird, wie wäre dann das verzweifelte  Sehnen anders zu nennen, dass verlorene Geister wie den meinen ergreift, werden bestimmte Vorbildsfunktionen und –figuren auch nur erwähnt?

Meine Abneigung gegen Brecht, meine Liebe für sein Werk – wo anders ist der Grundstein für diesen eigenartigen Zustand zu suchen als in einem kurzen Absatz in Elias Canettis Autobiographie über die von ihm empfundene opportunistische Anbiederung Brechts an die Arbeiterschaft der damaligen Zeit?

So sieht man sich als Gänseküken und watschelt eifrig einem Mann hinterher, der verstarb, als man selbst gerade vier geworden war, und verlässt eine Aufführung von Heiner Goebbels’ „Eraritjatitjaka“ mit einem seligen Lächeln, verwendet dieses „Museum der Sätze“ doch ausschließlich Zitate Canettis aus der Blendung und aus Masse und Macht. Und so passt auch der Titel der Aufführung für einen Schauspieler, ein Streichquartett und einen Kameramann – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – wie die Faust aufs Auge. Laut Canetti bedeutet das Wort „Eraritjaritjaka“ in einer Aboriginesprache „volles Verlangen nach etwas, das verloren gegangen ist“. Herr C. streifte mein Bewusstsein lange nur im Zusammenhang mit Brecht und dem Phänomen der Masse, das ihn so umtrieb. Ein schändlicher Zustand, das muss festgehalten werden.

Mein volles Verlangen nach einem Schriftsteller, der mir, ein wenig zumindest, verloren gegangen ist, wurde nicht einmal durch die Tatsache getrübt, dass die Aufführung in französischer Sprache bestritten wurde, was meinen Blick zwangsläufig aufgrund einer völligen Unkenntnis dieses Idioms pausenlos vom Geschehen auf der Bühne ablenkte, um die Übertitel zu studieren. Nichtsdestotrotz verblieb eine tief empfundene Anteilnahme für zum Beispiel, und das sei nur ein Beispiel unter vielen, folgendes: "Zu den lästigen Beschwichtigungsworten des englischen Lebens gehört 'Relax!'. ...ich stelle mir dabei jemand vor, der zu Shakespeare 'Relax' sagt."

Amen.

(o:

15.4.09 15:07


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Résumé

 

Jüngst ereignete sich wieder ein 29.Februar; ein 29. Februar 2008. Streng kalendarisch gesehen war er eigentlich ein 4. April 2009, aber wer will solches schon allzu ernst nehmen?

Glichen sich doch in einer gewissen Hinsicht die Ereignisse zumindest des Abends mit den vor einiger Zeit erwähnten an eben jenem 29.02.08.

Fazit des diesjährigen 29.02.08: Herr B. schien sich zu freuen, meiner ansichtig zu werden, was nicht unbedingt eine Neuerung, aber immer wieder sehr zufriedenstellend ist. Neu gelernt wurde: Ein Klarinettentrichter im Kehlkopf ist kein angenehmes Gefühl, so hehr die Absichten des Herren C. auch bei dieser Geste gewesen sein mögen. Interventionen, die erinnerungswert sind, formten sich erstmals in folgendem Dialog:

B: [Nicht erinnerungswürdiges kleines Gerede] ...denkst du nicht?

L: Ich denke nie. Würde ich mir nie herausnehmen.

B: Nein? Wieso nicht?

L: Öh... aus evolutionären Gründen.

B: [Irritierter Blick, Ablenkung durch andere Anwesende]

Muss dringend notiert und bei der nächsten Gelegenheit am gleichen Objekt angewendet werden. Die fehlende Reaktion schreit nach weiterer Verfolgung der B.’schen Humorkompatibilität bezüglich meines Komik- und Nonsenszentrums.

 

Und nun, da es wirklich weder der 29. Februar ’08 noch der 4. April ’09 ist, sondern bereits einige bis viele Tage später, drängt sich nahezu die Frage auf: Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Einiges. Vielleicht sogar vieles. Entscheidendes? Möglich, aber nicht zwangsläufig. Falls mir ein Ereignis in den Sinn kommt, das zwingende Erläuterung verlangt, werde ich es meine geschätzte Leserschaft (Nimmt überhaupt noch jemand Notiz von diesem eingestaubten Stückchen Subjektivität?) wissen lassen.

So bleibt nur noch die Abschweifung in aktuelle Befindlichkeiten...

„Relikte“ auf „Delikte“ zu reimen, hinterlässt einen schalen Geschmack im Mund. Vergangen sind die Zeiten, in denen man „Eiche“ ungestraft auf „Leiche“ reimen konnte... (Ungestraft? „Auf, auf zum Kampf“ um 1910 als Soldatenlied auf Kaiser Wilhelm  geschrieben, sang man es in den 20er Jahren des 20. Jhdts.  für Liebknecht und Luxemburg, und in den 30ern als Kampflied der SA auf Hitler... Die Fomulierung „ungestraft“ nehme ich hiermit zurück.)

 

Résumé sieht übrigens besser aus als Resümee, ist aber trotzdem schlicht und ergreifend ein gestohlenes Wort. Man möge mir das verzeihen, sowie auch ziemlich in Gänze den Rest dieses Eintrages.

15.4.09 16:00


Mit bitteren Grüßen

 

Julien brachte es zu einer derart hohen Vollkommenheit in dieser Art Beredsamkeit, die an Stelle der raschen Entschlusskraft des Kaiserreichs getreten ist, dass er sich schließlich selber beim Klang seiner Worte langweilte.“

 

Warum braucht jemand 176 Seiten für den ersten halbwegs erleuchteten Einfall, abgesehen von den jedem Kapitel vorgestellten Mottos? Mottos übrigens ist laut Duden und sonst noch so einigen der korrekte Plural vom Motto. Eine Nadel bohrt sich in mein Herzchen.

Warum zitiert jemand Shakespeare, Byron und griechische Klassiker und nimmt es sich trotzdem heraus, mich mit literarischen Mittelmäßigkeiten zu quälen? Warum druckt ein Verleger ein solches Werk von knapp 600 Seiten auf geschätzt anderthalb Zentimeter dickes Papier, so dass der pure Anblick des Machwerkes dem willigen Leser einen drohenden Herzstillstand und mindestens 1200 Seiten vor Augen stellt? Warum benennt sich ein Franzose nach einer deutschen Kleinstadt? Wo kommt das h her? Liegt der Ursprung des Namens doch ganz woanders?

Fragen über Fragen, die die Lektüre von Rot und Schwarz von Stendhal nicht beantworten kann und will. Zumindest bis jetzt noch nicht.

Allerdings gibt es Persönlichkeiten, die nur glücklich sind, wenn sie sich lange und ausgiebig über Missstände, Fehlgriffe und Unerträglichkeiten ereifern können. Die Verfasserin scheint dazu zu gehören; falls mich jemand sucht, ich lese in zu dick aussehenden Büchern.

17.4.09 17:04


"After playing Chopin, I feel as if I had been weeping over sins that I had never committed, and mourning over tragedies that were not my own. Music always seems to me to produce that effect. It creates for one a past of which one has been ignorant, and fills one with a sense of sorrows that have been hidden from one’s tears. I can fancy a man who had led a perfectly commonplace life, hearing by chance some curious piece of music, and suddenly discovering that his soul, without his being conscious of it, had passed through terrible experiences, and known fearful joys, or wild romantic loves, or great renunciations."

 

Jeder Satz oder Absatz in The critic as artist könnte als Einzelaphorismus, Lehrsatz, Motto oder Denkanstoß dienen. Trotzdem fällt es manchmal schwer, Gilbert zu folgen, er springt von Bergspitze zu Bergspitze, ohne die Täler dazwischen zu überwinden.

Wilde ist alles zu verzeihen. Amen. 

17.4.09 19:14


»Der Mensch trägt den größten Teil seiner Eitelkeit, da man ihn gelehrt hat, dass er ihn nicht im Herzen tragen dürfe, unter den Füßen, indem er auf dem Boden eines großen Vaterlandes, einer Religion oder Einkommenssteuerstufe wandelt, und in Ermangelung solcher Position genügt ihm sogar, was jeder haben kann, sich auf der augenblicklich höchsten Stufe der aus dem Nichts aufgestiegenen Zeitsäule zu befinden, das heißt, gerade jetzt zu leben, wo alle Früheren zu Staub geworden sind und keine Späteren noch da sind.«
"Der Mann ohne Eigenschaften", Robert Musil (1880 - 1942)

Unseligerweise existieren in manchen elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten tatsächlich Zeichenbeschränkungen, die es mir unmöglich machen, meine Mitmenschen in angemessenem Ausmaße mit der von mir entdeckten oder verbrochenen Weisheit zu belästigen. Das obenstehende Zitat ist hiermit ausgelagert, um jederzeit darauf zurückgreifen zu können und führt vielleicht noch zur weiteren Bildung meiner geschätzten Leserschaft.

18.4.09 01:52


Ueber den Seelenfrieden

 

Ursula Elisabeth von Motz schrieb vermutlich ein Buch mit dem Titel „Über den Seelenfrieden“, das, falls ich das ungelesene Werk richtig überblicke, sich mit der tugendhaften Weibsperson im Sinne Jesus’ beschäftigt. So oder ähnlich.

Darum soll es aber eigentlich gar nicht gehen.

Vielmehr geht es um den meinen, ganz und gar säkularisierten Seelenfrieden. Und um die Emanzipation, geschlechtergerechte Sprache und Auberginen. Gerade letztere sollten nicht vergessen werden in der Aufzählung der großen Themen des beginnenden 21. Jahrhunderts. Wie? Diese Themen seien überholt? Veraltet? Antiquiert? Betätigungsfelder des 20. Jahrhunderts, des Küchengartens, einer geistigen Strömung, die sich größtenteils zusammensetzt aus Verschwörungstheorien, Hohlwelt, Außerirdischen und Sellerie? Möglich.

Darum soll es aber eigentlich gar nicht gehen.

Vielmehr geht es um eine Erscheinung des ausgehenden 20. Jahrhunderts, deren Ende ([un]glücklicherweise?) auch mehr als 2000 Jahre nach der Geburt des „Friedensfürsten“ nicht in Sicht zu sein scheint. Ja, ganz recht. Ich spreche von Microsoft, genauer: von Windows, genauer: vom Word-Schreibprogramm. Dieses ist bekanntlich nicht besonders akribisch in der Recherche der Grundlagen für seine Rechtschreibprüfung, wartet aber nichtsdestotrotz immer wieder mit unerwarteten Überraschungen auf. Um dieses zu demonstrieren, bat ich den guten alten Onkel Google um eine Textprobe, in der das betreffende Wort eine beliebige, wenn nicht exponierte, Stellung einnimmt. Das vorliegende Beispiel ist kein besonders günstiges, faszinierte aber ausreichend, um nichtsdestotrotz Eingang zu finden in diese Exkursion in die wirren Weiten der Rechtschreibprüfung.

Genießen Sie also mit mir:

Ueber den Seelenfrieden...


Jahre der Emanzipation und des Feminismus! Umsonst?!

Doch damit nicht genug. Aus unerfindlichen Gründen wechselt man mitten auf der Seite die geprüfte Sprache, die prompt eine Missschreibung diagnostiziert:

Überflüssig zu sagen, dass die deutsche Rechtschreibprüfung „Gotha“ umstandslos als korrektes Wort erkennt. Dafür kennt sie allerdings das Wort „umstandslos“ nicht und versucht zu „umstandslose“ zu verbessern. Ebenso „Google“, für das Word überhaupt keinen Verbesserungsvorschlag kennt. Moderne Zeiten...

Darum sollte es eigentlich gehen.

Nichtsdestotrotz kann ich es mir nicht verkneifen, doch noch einmal einzufügen, worum es eigentlich gehen soll. U. E. von Motz (pure Koinzidenz, ich bin unschuldig...) hat meine Faszination zu sehr gewonnen. Kostprobe gefällig?

 

Einleitung.

Friede sein mit euch!  - dies war der himmlische Gruß, womit der verklärte göttliche Lehrer und Freund seine unter dem Gefühl der Trennung von ihm erliegenden zurückgelassenen Jünger und Lieben nach seiner Auferstehdung begrüßte; den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch,  - dies das köstliche Vermächtniß, welches vor seinem Hinscheiden der Friedensfürst seinen Reichsgenossen hinterließ, Er, bei dessen Geburt schon himmlische Heerscharen die Erde zur Heimath des Friedens einweihten.

Ist denn dieser Segensgruß unseres göttlichen Freundes nur eine leere Formel?

 

Nicht doch. Friede sei mit euch. (o:

18.4.09 16:47


Seit mehreren Tagen schon trage ich mich mit dem Gedanken an ein partiell hier anwendbares Konzept, das leider bis jetzt noch nicht aufgegangen ist.

Aber das wird schon noch und bis dahin überkommt mich vielleicht auch zu einem anderen Thema mal eine inspirationsreiche Anwandlung...

Ich bleibe wachsam. 

27.4.09 23:10





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