Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

 
Freunde
    calwycuthar
    - mehr Freunde



Webnews



http://myblog.de/motzwolpiliches

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Prägung

 

Junge Gänse definieren, wie allgemein bekannt, das Wesen, dass sie nach dem Schlupf als erstes erblicken, als grundsätzlich positiv gewertetes und vorteilsversprechendes Konstrukt „Mutter“. Wenn dieser Vorgang als Prägung bezeichnet wird, wie wäre dann das verzweifelte  Sehnen anders zu nennen, dass verlorene Geister wie den meinen ergreift, werden bestimmte Vorbildsfunktionen und –figuren auch nur erwähnt?

Meine Abneigung gegen Brecht, meine Liebe für sein Werk – wo anders ist der Grundstein für diesen eigenartigen Zustand zu suchen als in einem kurzen Absatz in Elias Canettis Autobiographie über die von ihm empfundene opportunistische Anbiederung Brechts an die Arbeiterschaft der damaligen Zeit?

So sieht man sich als Gänseküken und watschelt eifrig einem Mann hinterher, der verstarb, als man selbst gerade vier geworden war, und verlässt eine Aufführung von Heiner Goebbels’ „Eraritjatitjaka“ mit einem seligen Lächeln, verwendet dieses „Museum der Sätze“ doch ausschließlich Zitate Canettis aus der Blendung und aus Masse und Macht. Und so passt auch der Titel der Aufführung für einen Schauspieler, ein Streichquartett und einen Kameramann – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – wie die Faust aufs Auge. Laut Canetti bedeutet das Wort „Eraritjaritjaka“ in einer Aboriginesprache „volles Verlangen nach etwas, das verloren gegangen ist“. Herr C. streifte mein Bewusstsein lange nur im Zusammenhang mit Brecht und dem Phänomen der Masse, das ihn so umtrieb. Ein schändlicher Zustand, das muss festgehalten werden.

Mein volles Verlangen nach einem Schriftsteller, der mir, ein wenig zumindest, verloren gegangen ist, wurde nicht einmal durch die Tatsache getrübt, dass die Aufführung in französischer Sprache bestritten wurde, was meinen Blick zwangsläufig aufgrund einer völligen Unkenntnis dieses Idioms pausenlos vom Geschehen auf der Bühne ablenkte, um die Übertitel zu studieren. Nichtsdestotrotz verblieb eine tief empfundene Anteilnahme für zum Beispiel, und das sei nur ein Beispiel unter vielen, folgendes: "Zu den lästigen Beschwichtigungsworten des englischen Lebens gehört 'Relax!'. ...ich stelle mir dabei jemand vor, der zu Shakespeare 'Relax' sagt."

Amen.

(o:

15.4.09 15:07
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung